Die 24-Stunden-Uhr

Diese Woche hörte ich eine Unterhaltung auf Englisch in meiner Bürogemeinschaft, die mich an eine Szene aus dem Filmklassiker „Casablanca“ erinnerte. Für die jüngeren Semester unter euch, die noch nie den Film gesehen haben: es geht um ein Café in Casablanca am Anfang des zweiten Weltkriegs. Dort sammeln sich unter anderem allerlei Menschen, die versuchen dem dritten Reich zu entkommen. So auch ein altes Ehepaar, das ihr Englisch übt, um für ihren Neuanfang in Amerika gut gewappnet zu sein:

„Liebchen – äh Sweetness Heart – what watch?“ fragt der alte Mann seine Frau.

„Ten watch“

„So much?“

„You will get along beautifully in America“ (Kellner Karl)

In englischsprachigen Ländern benutzt man das 24-Stunden-Uhr-Format nur in Bahn-, Bus- und Flugplänen oder beim Militär und sonst gar nicht. Wenn man den meisten Leuten sagen würde, „We’ll meet at 17.00 hours“ würden sie wahrscheinlich etwas verwirrt gucken und dann anfangen zu rechnen. Besagte Unterhaltung in meiner Bürogemeinschaft lief so ab:

„We’ll meet at 13 o’clock“

„No, we’ll meet at 13.30 o’clock“

Es klang super süß, aber irgendwann bin ich doch eingeschritten:

Mitternacht ist für uns 12 a.m. und alle Stunden danach bis Mittag 1 a.m., 2 a.m. und so weiter.

Mittag ist dann 12 p.m. und alle weiteren Stunden danach 1 p.m., 2 p.m. etc. bis Mitternacht und dann beginnt das Spiel von vorne.

13 o’clock würden wir also nie sagen – sondern einfach nur „We’ll meet at 1 o’clock/1 p.m.“. Man könnte auch sagen „We’ll meet at one“ denn für alle wird es klar sein, dass nicht früh am morgen gemeint ist. Es sei denn es betrifft einen echten Globetrotter wie unseren lieben Freund, Alex, der vor ein paar Wochen morgens in ein Flugzeug nach San Francisco stieg und am selben Tag zurückflog!

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6 Antworten to “Die 24-Stunden-Uhr”

  1. Anja Hübel Says:

    Klarer als 12 a.m. wäre einfach „midnight“, und statt 12. p.m. sage ich immer „twelve noon“ oder einfach „noon“.

  2. Max Headroom Says:

    (Ich habe das „so much“ als „such watch“ in Erinnerung. Aber ich werde auch älter)
    In diesem Zusammenhang wäre vielleicht ein Exkurs zu solchen schönen Konstruktionen wie „jetzt ist höchste EIsenbahn“ oder „der denkt nicht von 12 bis Mittag“ schön.

  3. Tony Mellor-Stapelberg Says:

    Wir gucken uns „Casablanca“ regelmäßig an, so dass ich diesen Dialog ziemlich gut in Erinnerung habe, auch wenn das letzte Mal inzwischen einige Monate her ist. Wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht, heißt die Antwort des Mannes „Such much watch?“
    Aber manchmal versucht man unbewußt, solche komischen Pointen selbst noch zu steigern…

    Auch ich vermeide es möglichst, bei zwölf Uhr „a.m.“ oder „p.m.“ zu verwenden und sage stattdessen „twelve noon“ oder einfach „noon“ bzw. „twelve midnight“, „twelve at night“ oder einfach „midnight“. Grundsätzlich ist es aber richtig, dass man „o’clock“ nur mit Zahlen zwischen eins und zwölf verwendet, und dann auch nur bei den runden Stunden – „three thirty o’clock“ geht also auch nicht. Nicht unmöglich, aber selten, ist „half past three o’clock“ oder „twenty past three o’clock“, wobei sich das „o’clock“ dann nur auf die direkt davor stehende Stundenzahl und nicht auf die Minuten bezieht.

    Oh, und während ich dabei bin: ein Nachtrag zu der „sh*tstorm“-Debatte von 2012 (Donnerwetter, war das wirklich so lange her?) Vor ein paar Tagen las ich auf der BBC-Website einen Bericht über einen Vorfall in Deutschland – ich habe vergessen, was für einen – von dem es hieß: „This comment has unleashed what the Germans call a shitstorm on the social media.“ Das bestärkt meinen Eindruck, dass das Wort, obwohl sicherlich verbreitet in Amerika, in Großbritannien weitgehend unbekannt ist. Das ist schon bemerkenswert: ein Amerikanismus, der nicht gleich im UK übernommen wird!!

    • Sally Massmann Says:

      Casablanca – da magst du recht haben. Sie sagen auch nie „Play it again Sam“ im Film. Zu Shitstorm: das glaube ich auch. Überhaupt fluchen die Amerikaner viel gröber als wir. Vor zwei Jahren habe ich einen amerikanischen Roman gelesen, der in aller Munde war. Ich fand ihn abscheulich. Stilistisch fragwürdig, Handlung vorhersehbar und jeder zweiter Satz bestand aus Schimpfwörtern. Dazu haben die Charaktere so wenig Mitleid erzeugt, dass ich froh war, als das Buch endlich gelesen wurde und ich eine vernichtende Kritik auf Amazon schreiben konnte. Ich sage jungen Leuten, die auf Tagungen Präsentationen halten, dass sie im Vereinigten Königreich mit Schimpfwörtern viel vorsichtiger sein müssen, denn wir empfinden sie als viel derber als auf Deutsch.

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