Seriös ist nicht gleich serious

Im Moment läuft eins meiner Lieblingssportereignisse des Jahres: Wimbledon. Im Laufe der Jahre haben einige schillernde Personen hier gespielt. Mein Favorit ist schon immer John McEnroe gewesen, das enfant terrible der Tenniswelt. Er ließ sich wirklich nichts gefallen, besonders schlechte Entscheidungen von Schiedsrichtern, die es in den achtziger Jahren zuhauf gab.  Ich musste daran denken und darüber schmunzeln, als jemand mich neulich fragte, wie man das Wort „seriös“ auf Englisch übersetzt. Am bekanntesten war Johns „You cannot be serious“ Ausraster:

You cannot be serious

Mein Dad und ich saßen Zuhause und haben live zugeguckt, als es passierte und wir jubelten! Aber ich schweife aus. Zurück zum Wort seriös. Auch hier, gibt es keine einfache Lösung. Ganz sicher ist eins: es wird selten als „serious“ übersetzt. Es kommt auf den Kontext an. Ein paar Beispiele:

Oft sieht man in Deutschland Jobangebote auf Ampeln nach dem Motto:

„Verdienen Sie 3.000 Euro netto im Monat bei 10 Stunden Arbeit die Woche. Achtung: dieses ist ein seriöses Angebot“

Und übrigens: in diesem Fall ist es sicherlich ein Zeichen, dass es eben nicht seriös gemeint ist! Hier würden wir auf Englisch sagen:

„Earn 3,000 euros a month, working 10 hours a week. Please note: this is a genuine/legitimate offer“.

Ein seriöses Unternehmen, das ordentlich wirtschaftet und sich keine krummen Dinge erlaubt, wäre auf Englisch „A reputable business“.

Wenn jemand „seriöse Absichten“ hat, hat er „honourable intentions“.

„Ein wirtschaftlich seriöses Angebot“ wäre ein „financially sound offer“.

„Wir können seriös vorhersagen, dass die Wirtschaft sich nächstes Jahr erholen wird“ könnte man als Englisch so ausdrücken: „We can reliably predict that the economy will recover next year“.

„Als eine Bank, zu versprechen, dass Aktien immer eine lukrative Rendite bringen, wäre nicht seriös“, könnte man übersetzen als „As a bank it would be unprofessional to promise that shares will always produce a good return“.

Um zurück zu John McEnroe zu kommen: auf Deutsch hätte er sicherlich gesagt: „Das kann nicht Ihr Ernst sein“ – bestimmt hätte er nicht gesagt: „Sie sind nicht seriös“, denn damit hätte er sich wahrscheinlich selbst vom Tennisplatz katapultiert!

8 Antworten to “Seriös ist nicht gleich serious”

  1. Max Headroom Says:

    Achtung, jetzt: Thank you for making me more sensible on this topic. I think this information is actual. I will direct my engagement to better English.
    Nein, so schreibe ich normalerweise nicht. Vielleicht kann ich in diesem Zusammenhang auf eine Zusammenstellung von falschen Freunden verweisen, die auf dieser Seite gesammelt sind:
    http://www.englisch-hilfen.de/words/false_friends.htm
    Hilft, wenn man sich nicht so ganz sicher ist.
    I am serious.

  2. Tony Mellor-Stapelberg Says:

    What you young people with memories that hardly stretch back to the last millennium might be surprised to learn is that until relatively recently „false friend“ itself was a false friend. I first came across the concept when I was in France in 1966/67, in its French guise of „faux ami“; when I came to Germany in 1978 I found that people spoke of „falsche Freunde“, but even then „false friend“ was not yet current, or at least not common (that is to say: I hadn’t heard it!) in English. Germans were surprised when I told them that. When it came in I can’t say. It’s in my 2011 Chambers Dictionary of course, and also in my 1998 New Oxford Dictionary of English (with the etymology: „Translated from French ‚faux ami'“); but it isn’t in my 1998 Chambers Dictionary, nor in my 1996 Chambers 21st Century Dictionary, nor of course in any of my older Chambers Dictionaries going back to the 1970s (I can’t bring myself to throw these things away!). I wondered if it was originally an Americanism, but in my Webster’s (which is a 1996 publication badly revised from earlier editions going back to 1983) it is given only in its literal meaning with no indication of the linguistic application.

    • Sally Massmann Says:

      I can remember when „environmentally friendly“ was marked incorrect when we translated it as such at uni. We were highly relieved when the expression came into common usage and we were allowed to use it.

  3. Tony Mellor-Stapelberg Says:

    Just a little addition to my commentary on „false friends“: I have just discovered that my edition of Burchfield/Fowler „Modern English Usage“ (1996) has an entry for „faux amis“, which starts „Because English shares a great many words with French it is easy to fall into the error…“, but no entry for „false friends“.

  4. Tony Mellor-Stapelberg Says:

    Oh yes, all the „friendly“ things! When I was in Hamburg in 1978/79 the Hochbahn was just getting some new trains which were of course „umweltfreundlich“. There was a bilingual leaflet about them, but the responsible people clearly had a problem, as „environmentally friendly“ didn’t yet exist in English. So what did they come up with? – „environmentally polite“!! How we laughed, as we imagined the trains muttering to each other as they stood in the stations: „So sorry about my emissions, I’m doing my best to keep them to a minimum…“
    That’s another topic for you to write a column on, Sally: the correct and very many incorrect translations of „freundlich“. It’s often „kind“, of course, and I have always thought the older phrases such as the description of a washing-up liquid as being „kind to the hands“ sound much more English than e.g. „skin-friendly“.

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