Unsinnige Filmtitel

Jedes Jahr kommen viele neue Filme in die Kinos weltweit. Und die Mehrheit stammt aus Amerika. Ich staune immer wieder, wie gut es den Übersetzern gelingt, die Drehbücher ins Deutsche zu übertragen, ohne dass zu viel verloren geht. Und die Schauspieler, die die Rollen auf Deutsch spielen, sozusagen die deutschen Stimmen hinter den Hollywoodstars, sind oft unbekannte Helden, die berühmte deutsche Schauspieler hierzulande an Können bei weitem übertreffen. Aber mit den Filmtiteln, wie ein jüngstes Beispiel zeigt, scheinen sich die Studios weniger Mühe zu geben.
Vor zwei Jahren habe ich auf Englisch ein fesselndes Buch gelesen, das „The Railway Man“ heißt. Es ist eine wahre Geschichte von Eric Lomax, einem britischen Offizier, der während des zweiten Weltkriegs von den Japanern gefangen gehalten und später gezwungen wurde, an dem Bau der Thailand-Burma Eisenbahn mitzuarbeiten. Im Buch erzählt er von den grausamen Erlebnissen dort. Ohne zu viel zu verraten, ist aber sein Hauptthema Vergebung. Klar, dass man so einen Film auf Deutsch nicht „Der Eisenbahn-Mann“ nennen konnte. Fantasie ist hier gefragt. Aber musste er unbedingt „Die Liebe seines Lebens“ heißen?

The Railway Man

Ich frage mich, wie viele Hausfrauen jetzt ins Kino gehen werden, in der Erwartung eine Liebesgeschichte à la Rosamunde Pilcher im schönen Cornwall oder eine Utta-Danella-Schnulze zu sehen! Klar geht es auch um die spätere Liebe zu seiner Frau, aber dieser Titel verfälscht den Inhalt. Es gab aber in der Vergangenheit immer wieder so unsinnige Kreationen. Oft scheinen die Studios ein bisschen Angst davor zu haben, dass das deutsche Publikum zu doof ist, einen Filmtitel zu verstehen und wollen zu viel erklären. Ein paar persönliche Favoriten sind wie folgt:

„Don’t look now“ – deutscher Titel „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Können Gondeln überhaupt Trauer tragen?

„Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ – deutscher Titel: „Vergiss mein nicht“. Keine Ahnung, wie sie auf den gartenbaulichen Titel kamen und sich keine Mühe gegeben haben, diesen wunderbaren englischen Titel in irgendeiner Form adäquat wiederzugeben.

„Black Eagle“ – deutscher Titel: „Red Hunter – Kampf der Giganten“. Wieso wurde die Farbe geändert?

„Annie Hall“ – deutscher Titel: „Der Stadtneurotiker“. Warum überhaupt übersetzen? Wieder erkennt man den Bedarf, den Film im Titel erklären zu müssen. Wieso? Im englischsprachigen Bereich ließ man es bei „Annie Hall“ und der Film hat trotzdem Oscars eingeheimst.

„The Deerhunter“ – deutscher Titel: „Die durch die Hölle gehen“. Die Erklärungsnot wieder! Es ging um Soldaten im Vietnamkrieg.

Und mein All-time Favorit: „Singing in the rain“ – hieß früher auf Deutsch: „Du sollst mein Glückstern sein“. Zumindest haben sie hier irgendwann erkannt, dass das komplett bekloppt war!

12 Antworten to “Unsinnige Filmtitel”

  1. Oliver Günther Says:

    Oh Sally … ja, ich schmunzel auch oft. Ist keine fünf Stunden her, da zeigte Sat1 „Freundschaft plus“. Und nein, ich hab das nicht geguckt. In der Werbepause der Formel 1 hab ich mich so durchgezappt, glaubte Natalie Portman zu erkennen (so war es auch) und wollte über Videotext wissen, in was ich da eigentlich hineingeraten bin. Wie gesagt „Freunschaft plus“. Im Videotext stand dann aber auch der Originaltitel: „No strings attached“. Dafür reichte mein Englisch gerade noch „Keine Schlüpfer als Anlage“. Da fand ich den deutschen Titel dann doch besser. Jetzt, nach dem lesen Deines Blogs, habe ich mich mal unabhängig meiner eigenen Übersetzung schlau gemacht. Das konnte im Englischen doch nicht „Keine Schlüpfer als Anlage“ oder so ähnlich heißen. Dank Langenscheidt weiß ich nun auch was das richtig heißt. Und da finde ich den deutschen Titel dann doch richtig misslungen …

    • Susanne Says:

      Ich kenne den Film nicht, finde aber „Freundschaft plus“ für das Konzept „friends with benefits“, um das es vermutlich geht, eigentlich nicht so übel.

  2. Max Headroom Says:

    Nun muss ich mal eine Lanze für die Titel-Finder brechen: nicht immer lässt sich der „geniale“ Einfall im Original, der eine „tolle“ Anspielung enthält, die aber nur in einer Sprache funktioniert oder einer bestimmten Gruppe was sagt, auch sinnvoll übersetzen.
    Wäre „Der ewige Sonnenschein der unbefleckten Seele“ wirklich der bessere Titel? „Vergiss mein nicht“ ist zwar auch der Name einer Blume, ist aber auch eine Floskel unter (Liebes-)Briefen. Wobei beides wohl langsam aus der Mode kommt: die Floskel und Briefe schreiben.
    (Was wäre denn „The Deerhunter“ geworden? „Der Wildschütz“? Das ist schon der Titel einer Oper und hätte womöglich falsche Assoziationen geweckt.)
    Ich spekuliere mal: „Beverly Hills Cop“ wurde im Deutschen noch um „Ich lös den Fall auf jeden Fall“ ergänzt, was dann schon eher den Krawall suggerierte, der dann auch wirklich stattfand. Für den Muttersprachler wäre vielleicht schon die Bezeichnung „Cop“ für diese Assoziation ausreichend gewesen, da in Beverly Hills niemals ein Polizist als „Cop“ bezeichnet würde. Solche Nuancen erschließen sich dem Durchschnittsdeutschen nicht. „Beverly Hills Bulle“ wäre vielleicht ähnlich genug gewesen.
    WIkipedia liefert eine Seite mit Klassifizierungen der Abwandlungen von Filmtiteln – https://de.wikipedia.org/wiki/Filmtitel
    Mich persönlich regen ja eher Filmtitel auf, die nicht übersetzt werden: was soll ein durchschnittlicher Fernsehzuschauer mit „CSI“ anfangen? Vermutlich geht eine Übersetzung nicht, da die ARD den Begriff „Tatort“ besetzt hält.
    DMAX ist da ganz besonders: Top Gear, Aircraft Express, Airplane Repo, Alaskan Bush People, Fast N‘ Loud, Mythbusters, American Chopper, Auction Hunters, Siberian Cut, Overhaulin‘, Street Outlaws – so sieht bis auf 2-3 Ausnahmen das ganze Tagesprogramm aus.
    Oder „Miami Vice“? Das „Vice“ hätte allerdings zu „Sittenpolizei“ geführt, was dann vielleicht die falsche Clientel mobilisiert hätte…
    Es würde mich interessieren, wie umgekehrt z.B. „Fuck you Göte“ übersetzt und gleichzeitig die Geringschätzung von Goethe durch die falsche Schreibweise transportiert würde.

    Es bleibt für mich übrig: wenn Information plakativ aber verdichtet präsentiert werden soll, dann ist das letztlich Dichtung.

    And poetry is lost in translation.

    Das finden wir immer wieder, und sei es in Filmtiteln. Danke fürs Hinweisen.

    • Sally Massmann Says:

      Oh DMAX klingt wie ein spannender, sehr männlicher Sender. Muss ich darauf achten. Ja all das ist richtig. Mir fällt auch auf, dass ich auch nicht weiß, wofür CSI eigentlich steht! Trotzdem, im Fall von „The Railway Man“ hätte ich mir etwas Besseres gewünscht.

    • Susanne Says:

      „Vergiss mein nicht“ finde ich auch nicht so übel. Übrigens ein wunderschöner Liebesfilm, wärmstens zu empfehlen.

  3. Max Headroom Says:

    CSI heißt, soweit ich weiß „crime scene inspection“ – was ja mehr oder weniger ein Tatort ist.

  4. Max Headroom Says:

    Ich weiß nicht, sind Science Fiction Filme besonders schlimm?
    Beispiele En -> De
    Soylent Green -> … Jahr 2022 … die überleben wollen
    Andromeda Strain -> Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All
    Them! -> Formicula
    Invasion of the Body Snatchers -> Die Dämonischen
    Star Trek -> Raumschiff Enterprise

    Ach, ich höre jetzt auf. Das kann bestimmt endlos so weitergehen. Und die Menge der zu findenden Beispiele zeigt: Ja, ist so. Sprache ist nicht rational. Und wenn daraus auch noch „werbokroatisch“ oder „marketingo“ wird, ist es mit der Logik völlig vorbei. Und man kann nur über die krassen Beispiele ungläubig den Kopf schütteln und will gar nicht wissen, was für ein Zeug man nehmen muss, um auf die Ideen zu kommen. Aber irgendwie stimmt wohl was nicht mit der Dosierung: entweder zu viel oder zu wenig.

  5. Susanne Says:

    Mein persönlicher Aufreger:

    Welcome to the Dollhouse
    dt: Willkommen im Tollhaus

    Aber noch schlimmer finde ich die seltsame Mode, englische Titel durch andere englische Titel zu ersetzen. Das ging wohl in den 90ern mit „Something to talk about“ los („deutscher“ Titel „Power of Love“), en furchtbarer Film, den ich deshalb aus Versehen fast zweimal gesehen hätte.

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