Denglisch par excellence

The natives are getting restless – die Eingeborenen werden unruhig. Bitte das Wort „Eingeborenen“ gegen „meine Blogleser und -leserinnen austauschen! Die letzten drei Monate waren sehr aufregend. Schafft Hannover 96 den Klassenerhalt? Nach einigen miserablen Ergebnissen hat sich das Team gegen Ende der Saison wieder berappelt und mit einem respektablen 10. Platz abgeschlossen. Auch aufregend waren die vielen unterschiedlichen Projekte. Gelegentlich hat das Denglisch wieder seine hässliche Fratze gezeigt. Es erreichte mich im März ein Hilferuf.„Frau Maßmann, wie gut, dass ich Sie erreiche! Können Sie mir sagen, was hiermit gemeint ist?“ (Die Dame ist in Polen aufgewachsen, hat kein Englisch in der Schule gelernt und kommt daher noch schwerer mit dem Denglisch zurecht als wir andere Normalsterbliche). Die fragliche Aussage von einem Chef lautet wie folgt:

„Wir werden nächste Woche mit den Trainings anfangen. Wenn Frau X den Account accepted hat, werden wir den File baselinen und dann können Sie als User den new Input entern und step by step updaten. Das ist eine Win-Win Situation“.

Die Reaktion meinerseits war filmreif. Fast fiel ich vor lauter Lachen von meinem Bürostuhl. Abgesehen von „Trainings“ (übrigens auch Denglisch, denn in der englischen Sprache gibt es nur Training im Einzelfall) und Win-Win situation (was wir auch längst nicht so häufig sagen, wie Deutsche immer meinen) habe ich sehr wenig von dieser Aussage verstanden. Baseline kenne ich nur vom Tennis, als Verb ist der Begriff mir neu. Mein Rat lautete: „Bitten Sie Ihren Chef es uns in Sendung-mit-der-Maus-Sprache zu erklären!“. Die Antwort steht noch aus. Aber ist es wieder mal ein Beweis dafür, dass eine schlechte Ausdrucksweise echt Zeit, Nerven und vor allen Dingen GELD kostet. Es ist auch der Beweis dafür, dass ein (in diesem Fall) Auslandsstudium keine Garantie liefert, dass ein Mensch sich gut ausdrücken kann…

 

 

5 Antworten to “Denglisch par excellence”

  1. Oliver Günther Says:

    Hah, wir haben bei uns lauter solche Leute. Je höher die Position im Unternehmen, umso dämlicher (und falscher) das Einfließen von Englisch. Perfekt um Bullshit-Bingo zu spielen:

    Vor einem Meeting (nochmal hah, das heißt Besprechung) füllt jeder ein fünf mal fünf Kästchen großes Spielfeld aus und füllt es mit zu erwartendem Denglisch („haben wir uns commited“, auch sehr gern genommen „Team“ oder „Deadline“, und so weiter). Während des Meetings kreuzt jeder seine gefallenen Begriffe (heimlich) ab und wenn man fünf längs, quer oder diagonal in Reihe hat springt man auf und brüllt laut „Bullshit“ (gern auch mit theatralischer Gestik, am besten ausgestreckter Arm und mit dem Zeigefinger auf den Referenten). Macht einen Heidenspaß, man ist mindesten fünf Wochen Gesprächsthema bei allen Kollegen, ist aber nicht gut für anstehende Gehaltsverhandlungen.

    Einen hab ich noch von Opa Gehrke aus ‚Frühstück bei Stefanie‘: „So ein Blödsinn, Team, was soll das denn sein? Das heißt Panzergruppe 2 und nicht Erwin Rommel und sein Team.“

    Kindly regards (wie ich letztens bei einer Führungskraft-E-Mail „gelernt“ habe)
    Oliver

    • Sally Massmann Says:

      Witzig! Zum Glück kenne ich einige hohe Tiere in Unternehmen, die super Englisch können. Sonst würde ich den Glauben an die/der? Menschheit verlieren. Bull*%#t Bingo kenne ich auch. Wunderbar. Ich kenne auch Leute, die süchtig danach sind. Ich gebe keine Namen preis…

      • Oliver Günther Says:

        Nein, Sally, wirklich? Das spielt jemand wirklich mit Schluss? Ich kenne die Version ohne Aufspringen aber hinterher heimlich vergleichen. Doch das volle Programm? Nein, höchstens bei einer Weiterbildung mit einem auswärtigen, didaktisch grottenschlechten Referenten. Oder vielleicht doch?

  2. Tony Mellor-Stapelberg Says:

    Ich hörte vor zwei Tagen auf NDR Info: „Jeder Journalist kennt die Maxime ‚Bad news are good news.'“

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