Bitte Muttersprachler fragen!

Ich werde leider nie deutsche Muttersprachlerin werden. Neulich habe ich für einen Lacher in unserer Bürogemeinschaft gesorgt. Meine Kollegen und Kolleginnen saßen in Besprechungen. So war ich die Ansprechpartnerin für alle Lieferanten. Der Hausmeisterdienstleister war auch da. Beim Mittagstisch berichtete ich allen brav: „Der Hausmeister war da: er wollte ein Rohr verlegen“, was zu schallendem Gelächter führte. Ich saß verständnislos da, bis einer mich aufklärte! Und da haben wir es wieder: muttersprachliches Niveau gibt es nicht. Genau wie man nicht ein „bisschen“ schwanger sein kann. Alles nicht so schlimm, wenn man solche Äußerungen privat macht. Aber die Folgen für ein Geschäft können verheerend sein, wenn man einen Muttersprachler nicht fragt, bevor man einer Firma einen englischen Namen gibt, oder einen englischen Slogan ausdenkt, wie folgendes Beispiel zeigt.

Vor ein paar Tagen las ich einen interessanten Artikel in einer Ausgabe des t3n-Magazins. Es ging um den Hamburger Sneaker-Store Glory Hole. Dort gibt es von hinten beleuchtete Wände mit Löchern, in denen die Schuhe ausgestellt sind. Daher der Name Glory Hole. Nur leider wirkt dieser Name auf Deutsch interessant, aber auf Englisch schlüpfrig. Der Inhaber gibt zu, dass viele Kunden, die die Schuhe bestellen möchten, die Glory-Hole-URL gar nicht aufrufen können, weil die Adresse gesperrt wird. Demnächst wird der Name also wahrscheinlich geändert. Wenn der Inhaber einen Muttersprachler gefragt hätte, hätte derjenige bestimmt geschrien: „Bitte nicht!“. Es gibt eben zu viele Fettnäpfchen, in die man als Nicht-Muttersprachler treten kann…

 

 

7 Antworten to “Bitte Muttersprachler fragen!”

  1. Ella Says:

    Sehr interessanter Beitrag. Wie würde man es denn mit dem „Rohr“ richtig sagen?
    Danke!

  2. Barry Fay Says:

    Maybe a further explanation of „glory hole“ would have made the article clearer. It is easy to explain without being too graphic! „A glory hole is a hole in a wall, or other partition, often between public lavatory stalls or adult video arcade booths, for people to engage in sexual activity“.
    BTW, here is google translate of my post:
    Vielleicht hätte der Artikel klarer gemacht eine weitere Erklärung des „glory hole“. Es ist leicht zu erklären, ohne zu Grafik zu sein! „Ein Ruhm Loch ist ein Loch in einer Wand oder einer anderen Partition, die oft zwischen öffentlichen Toilette an Verkaufsständen oder erwachsenen Video-Arcade-Kabinen, für die Menschen in der sexuellen Aktivität zu engagieren“.

  3. Alexandra Kleijn (@buurtaal) Says:

    In den Niederlanden gibt es ein Sportschuhgeschäft (eine Kette), das sich „Athlete’s Foot“ nennt. Nicht unbedingt eine Empfehlung, würde ich sagen …😉

  4. Max Headroom Says:

    Nun gut – ich glaube, dass jede Sprache eine Menge Begriffe mit doppelten Bedeutungen versieht.
    Zum konkreten Fall: vielleicht wollte der Hausmeister das Rohr erneuern, reparieren, anbringen …
    Auch der Komiker Otto hat in seinem FUßball-Kommentar davon gesprochen, dass der Torhüter den Ball über die eigene Latte hebt … (hier dann auch schön die ganzen Kaffeebestellungen: Latte to go?!).
    Auch der Postillon (www.der-postillon.com) lebt in seinem News ticker davon, dass es immer wieder einschlägige Doppeldeutigkeiten gibt. Woher kam noch die Anweisung beim (damals noch: analog) Filmwechseln, dass man den Film dahin halten sollte, „where the sun does not shine“ oder wenigstens „shady places“ aufsuchen sollte? Beides zwar, hinsichtlich des Bemühens den Film vor übermäßiger Sonnenexposition zu schützen, lobenswerte Ansätze, sprachlich aber eher unterbelichtet.
    Aber es stimmt schon: man muss sich im Kulturkreis auskennen, um die Nuancen erfassen zu können, um dann ggf. einen guten Satz mit Augenzwinkern hinzubekommen („Yesterday’s meals on wheels“ für einen Güllewagen fand ich super)

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