Dangerous liaisons

Ich beginne das Jahr 2015 mit einer Geschichte. Ich lebe schon seit einigen Jahren im Ausland und lese und rede viel in allen möglichen Sprachen. Und trotzdem ist es schwer, mit den Ausdrücken in meiner Muttersprache Schritt zu halten.

Eine Freundin von mir genießt gerade eine Liaison mit einem verheirateten Mann. Er ist ein Geschäftsmann und Schürzenjäger (a lady killer/womanizer/Don Juan oder Casanova). Sie bezeichnete sich als „die perfekte Maitresse“ und verwendete dabei einen Ausdruck, der mich zum Schmunzeln brachte und den ich bis dato nicht kannte… Meine Freundin ist geschieden mit zwei erwachsenen Kindern und einem anstrengenden Beruf. Sie ist eine coole (wir würden sagen laid-back) Frau und DENKT nicht daran, ihrem Liebhaber Forderungen zu stellen. Er findet dieses Arrangement natürlich auch prima. Sie möchte auf gar keinen Fall, dass er seine Frau verlässt und sagte „Look Sally, I’m no bunny boiler„. Ich runzelte die Stirn und fragte, was sie damit meinte.

Ein bunny boiler ist eine psychotische Frau, die ihren Ex-Freund stalkt und ihm das Leben zur Hölle macht. Der Ausdruck stammt aus dem Film „Eine verhängnisvolle Affäre“. Glenn Close spielt Alex, die eine Affäre mit dem verheirateten Dan (Michael Douglas) hat. Sie beweist eindrücklich, dass „Die Hölle selbst kann nicht wüten wie eine verschmähte Frau“ („Hell hath no fury like a woman scorned„). So muss die arme Ehefrau von Dan nach Hause kommen und den Familienhasen blubbernd in einem Kochtopf entdecken:

https://www.youtube.com/watch?v=ecWhXP2jM28

Bunny ist eine kindliche Bezeichnung für einen Hasen (oder die jungen Frauen, die in Hugh Hefners Villa in Hollywood leicht bekleidet herum laufen!).

 

 

8 Antworten to “Dangerous liaisons”

  1. Max Headroom Says:

    Ich habe als Wortneuschöpfung nun ja das „Selfie“ (das Handyfoto von sich selbst) zur Kenntnis genommen. Dass nun aber auch noch ein „Belfie“ dazugekommen ist – ein „selfie“ vom „bottom“ – das ist bestimmt eine der seltsameren Neuschöpfungen. Zuerst frage ich mich, warum ich das überhaupt fotografieren muss und zum zweiten warum es dazu auch noch ein eigenes Wort geben muss.
    Andererseits: vielleicht ist die Referenz zu Douglas Adams „The meaning of Liff“ erhellend: der hatte auch schon festgestellt, dass es unzählige Dinge gibt, die noch keinen Namen haben, andererseits aber jede Menge Wörter nutzlos auf Wegweisern herumlungern. Die könnte man doch mal zusammenführen.
    Ob das dann zu treffenderen Bezeichnungen führt steht dahin.

    • Sally Massmann Says:

      Ja – belfie kenne ich auch. Ich wüsste auch nicht, warum ich so was fotografieren sollte, aber es gibt Leute, für die das sehr wichtig ist. Eine dieser Künstlerinnen ist Kim Kardashian. Sie ist Amerikanerin und Star einer Reality Show. Außerdem ist sie mit Kanye West verheiratet. Wenn meine Leser diese beiden nicht kennen, ist es nicht weiter schlimm. Man kann in der Tat ohne sie leben. Übrigens: als wir neulich in London waren, haben wir den Friedhof in Highgate besichtigt. Abgesehen von dem riesen Grabstein von Karl Marx, kann man auch den Grabstein von Douglas Adams sehen. Der Grabstein selbst ist ziemlich unscheinbar, aber skurrilerweise steht dort einen Becher voller Stifte! Das fand ich schön. Leicht exzentrisch, aber typisch Adams.

  2. Max Headroom Says:

    Wo wir schon bei den Niederungen angelangt sind:
    Dass simsen im Englischen „texting“ ist, schleift sich vielleicht ein. Die Neuschöpfung für SMS mit schlüpfrigem Inhalt, bei der das erste „t“ von „texting“ durch ein „s“ ersetzt wird, finde ich charmant. Auf engstem Raum wird sowohl Nachrichtenform als auch Inhalt deutlich. Die Faszination ist rein sprachlich.
    Schülern muss man deutlich machen, dass das Versenden von freizügigen Bildern von sich selbst („selfie“ oder „belfie“) beim Empfänger u.U. zu einer Verurteilung wg. Kinderpornografie führen kann. Das ist wieder sehr deutsch und ein sensibles Thema im Schulunterricht, wenn hier Jugendlichen gezeigt wird, wo die Grenzen des scheinbar grenzenlosen Datenverkehrs (!) sind.

  3. juliakaczmarczyck Says:

    Ich habe deinen Blog erst heute entdeckt und als Deutsche, die öfter mal übersetzt (wenn auch nicht hauptberuflich und nicht gelernt, und darüber hinaus auch meist noch Japanisch), finde ich ihn sehr interessant und lehrreich.
    Ich war mir zuerst nicht sicher, welche Sprache deine Muttersprache ist, da dein Deutsch nahezu perfekt ist. (Und welcher Deutsche kann das schon heutzutage über sich sagen? Eigentlich ist zu gutes Deutsch fast ein Hinweis auf eine andere Muttersprache. X’D)
    Einen kleinen Fehler habe ich entdeckt und dachte, ich weise dich mal von Pedantin (die trotzdem leider auch Fehler macht) zu Pedantin darauf hin:
    „Ein bunny boiler ist eine psychotische Frau, die ihren Ex-Freund stalkt und seinem Leben zur Hölle macht. “

    Der richtige Ausdruck ist „ihm das Leben zur Hölle macht“ oder zumindest „sein Leben zur Hölle macht.“ Der Ausdruck heisst (blöde Schweizer Tastatur) „jemandem das Leben zur Hölle machen“ – ich vermute, daher kommt bei dir der falsche Dativ an dieser Stelle. (Der ja für uns Deutsche eh des Genitivs Feind ist.)

    • Sally Massmann Says:

      Liebe Julia, ich danke dir. Es ist heute sooo kalt in Hannover, dass ich solche warmherzigen Komplimente gut gebrauchen kann! Normalerweise lasse ich meine Beiträge von einem Deutschen gegenlesen. In diesem Fall hatte mein Korrekturleser aber keine Zeit. Und ich hatte gerade riesen Lust zu posten und habe es riskiert. Als Nichtmuttersprachlerin wird man nie in einer Fremdsprache perfekt sein. Und das ist übrigens der Grund, warum ich nichts ins Deutsche übersetze. Wirklich gar nichts. Auch nach 30 Jahren nicht. Den Fehler habe ich übrigens gerade korrigiert und danke dir herzlich dafür. Du kannst Japanisch? Hut ab!

      • juliakaczmarczyck Says:

        Hier in Bern ist es auch eiskalt.
        Ich verstehe deine Bedenken total und würde am liebsten auch nicht ins Englische (oder Japanische) übersetzen, aber manchmal kommt es vor, dass deutsche oder japanische Bekannte ihre Arbeiten ins Englische übersetzen wollen oder mich fragen, was ein deutscher Text bedeuten würde, und dann seltsamerweise zu mir kommen, weil sie keine Muttersprachler kennen. Vom Deutschen ins Englische zu übersetzen ist für mich eine Qual, da ich immer automatisch wörtlich übersetzen will, deshalb wäre es mir eigentlich lieber, ich könnte den ganzen Artikel neu schreiben. (Japanisch geht, auch wenn ich da schwächer bin, weil ich erst als Erwachsene angefangen habe, aber die Grammatik ist so anders, dass man weniger in Versuchung gerät.) Generell finde ich auch, dass man für wichtige Schrftstücke immer jemanden gegenlesen lassen sollte, selbst wenn man Muttersprachler ist. (Was nicht mehr viel bedeutet, wie ich mir manchmal denke, wenn ich die vielen „there/their/they’re“-Fehler und dergleichen im Internet sehe.)
        Momentan überlege ich, nebenbei Legal Translation zu studieren, was aber leider für Japanisch nur über den Umweg Englisch angeboten wird. Stell dir vor, eine Deutsche, die einen japanischen Text ins Englische übersetzt!

      • Sally Massmann Says:

        Ja – so viele Leute sind so wenig fit in der Rechtschreibung. Und es hat nichts mit der Intelligenz zu tun. Ganz im Gegenteil. Neulich habe ich ein Schriftstück von einem sehr intelligenten Physik-Lehrer gelesen (auch ein Engländer). Er konnte auch nicht zwischen „they’re/their/there“ unterscheiden. Wie peinlich ist das vor lauter Schülern? Und ich habe den Eindruck, dass es mit der Rechtschreibung schlimmer wird.

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