Salonfähig

Ich hatte mal einen französischen Bekannten, der Michel hieß. Michel war eigentlich ein liebenswürdiger Mensch – wenn man ihn nicht mit anderen Leuten zusammen einlud. Er hat eine Vorliebe für Scherzartikel (joke oder novelty products), die er gerne einsetzte – egal ob es passte oder nicht. Gerne platzierte er ein Furzkissen (auf Englisch a whoopee cushion) auf den Stuhl seiner Nachbarin. Auch wenn sie eine elegante Dame vom Akademikerinbund war! Er war einfach nicht berechenbar. Wie eine Freundin das so treffend ausdrückte: „Michel ist einfach nicht salonfähig“.

Ich musste so lachen, denn dieser Begriff war mir nicht geläufig. In diesem Fall sagen wir Briten:

Michel isn’t house-trained“ (wortwörtlich: er ist nicht stubenrein) oder „You can’t take Michel anywhere“ (du kannst mit Michel nirgendwo hingehen).

Im Deutschen redet man oft davon, bestimmte politische oder gesellschaftliche Richtungen salonfähig zu machen.

„Es ist salonfähig geworden, dass Männer Zuhause bleiben und auf die Kinder aufpassen“ könnten wir übersetzen mit: „It’s becoming socially acceptable for men to stay at home and look after the children“.

Oder „Die neue Politik der deutschen Regierung ist salonfähig geworden“ könnte man mit: „The German government’s new policy has become acceptable“ ausdrücken.

Michel hat übrigens inzwischen Deutschland den Rücken gekehrt, bevor er meinen Freundeskreis weiter dezimieren konnte! Und Berichten zufolge ist es mit der Salonfähigkeit auch nicht besser geworden…

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