Unwörter

Jedes Jahr kürt die deutsche Initiative Sprachkritische Aktion das Unwort des Jahres. Letztes Jahr gewann „Sozialtourismus“, eine abwertende Beschreibung von Einwanderung, die dazu dient im neuen Land Sozialleistungen zu erhalten. Zu meinen persönlichen Un-Favoriten der Vergangenheit gehören: „Ich-AG“, „Wohlstandsmüll“ und „Herdprämie“. Aber Zuhause wählen wir regelmäßig unsere eigenen Unwörter. Ein aktuelles Beispiel ist das Wort Flat. Flat heißt auf Englisch eigentlich „Wohnung“ – mit diesem schönen denglischen Wort ist eigentlich „flat rate“ – oder Pauschalpreis gemeint. Aber es gibt kaum ein irreführenderes Wort auf Deutsch wie „flat“. Es ist einfach eine falsche Bezeichnung – oder „Misnomer“ wie wir auf Englischen sagen. Einige Telkoms versprechen „Internet Flat mit Geschwindigkeiten von bis zu 16,000 Mbps“. Zuhause entpuppt sich diese Aussage häufig als heiße Luft. Unsere Internet-Geschwindigkeit liegt nämlich weiter darunter. Es macht auch sonst kaum ein anderes Unternehmen. Schließlich dürfen Supermärkte nicht „bis zu 500 g“ Mehl verkaufen, damit die Kunden nach Hause gehen und feststellen, dass nur 300 g Mehl in der Tüte sind! Reklamiert man den Mangel, würde man entweder eine volle Tüte oder das Geld zurück bekommen. Sobald wir das Wort „Flat“ in einer Anzeige sehen, seufzen wir meistens müde und blättern um…

2 Antworten to “Unwörter”

  1. Max Headroom Says:

    Naja, gut – flat heißt auch (Miet-)Wohnung … aber die flat earth society (http://de.wikipedia.org/wiki/Flat_Earth_Society) wird wohl kaum an eine Wohnung gedacht haben.
    Interessant wäre ja vielleicht, dass wenn die Deutschen eine Pauschale meinen, z.B. Bearbeitungspauschale, dieses wohl kaum eine handling flat rate wird – handling fee?
    Die Straßennutzungsgebühr – wie sie derzeit Hr. Dobrindt versucht einzuführen … road toll? Statt der derzeit eingezogenen road tax?

    Zu den Unwörtern: mir ist noch das „sozialverträgliche Frühableben“ zur Entlastung der Sozialkassen im Gedächtnis geblieben.
    Und nicht zu vergessen „Restrukturierung“ als Euphemismus für Entlassungen. Manager sind immer so einfallslos.

    • Sally Massmann Says:

      Restruktierung – ja die Masche. Synergien schaffen ist auch ein Euphemismus für Leute entlassen meiner Meinung nach. Ein besonders widerlicher Begriff, den ich mal übersetzen musste war „Die Personalkonsquenz ziehen“…

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