Schöne Schnitzer

Ein Dank an dieser Stelle an Ulrike und Alex, die mir einen Link zu einem amüsanten Spiegel-Artikel geschickt haben. Es geht um Sprachschnitzer deutscher Politiker und Manager. Ein Schnitzer ist übrigens auf Englisch ein „howler„, mit anderen Worten ein lustiger und lächerlicher Fehler. Aber es gibt Leute, die auch nicht unbedingt ihrer eigenen Muttersprache mächtig sind. Früher gab es eine herrliche BBC Radiosendung namens Dead Ringers, in der Komiker bekannte Personen imitierten. Eines ihrer Lieblingsopfer war George W. Bush. Er war eine sprudelnde Quelle sprachlichen Mülls. Eines meiner Lieblingsbeispiele war „Don’t misunderestimate me“. Was wortwörtlich so etwas wie „Missunterschätzen Sie mich nicht“ bedeutet! Und nun zum Artikel – viel Spaß bei der Lektüre (oder „enjoy reading it“ oder einfach „enjoy“ wie wir sagen):

http://www.spiegel.de/karriere/ausland/denglisch-die-sprachschnitzer-deutscher-manager-und-politiker-a-903581.html

7 Antworten to “Schöne Schnitzer”

  1. Oliver Günther Says:

    Hah, noch viel lustiger wird es, wenn CEOs vom Englischen ins Deutsche übersetzen. Und zwar völlig sinnentleert und reflexionsfrei. Und wenn dann, die Ihnen intellektuell ehedem völlig überlegene Sekretärin (neudeutsch: Assistentin; huch, m.E. auch schon wieder völlig Sprachblödsinn – eine Assistentin arbeitet beim Arzt und ist medizinisch-technisch oder an der Uni und ist wissenschaftlich) nicht beherrschend genug in den, in dem Fall sprachlichen, Arm fällt. Beispiel gefällig?
    Ein CEO (früher nannte man das einfach nur Geschäftsführer) einer hessischen Energiedienstleistungsfirma, also in dem Fall meiner, in einer Rundmail an die Beschäftigten: „… werden wir neue Produkte und Projekte ausrollen.“ Huhhhhh … Man rollt vielleicht Teig aus oder rote Teppich beim Oscar oder Rollrasen. Aber ein roll-out ist nun mal kein … (und er ist/war nicht Steve Jobs).
    Erstaunlicherweise war ich der einzige in der Niederlassung Hannover der vor Lachen gekrümmt in der Ecke lag. Muss wohl daran liegen, dass ich nicht zur „habbichgedownloaded“-Generation gehöre.

    Gruß
    Oliver

    • Sally Massmann Says:

      Oh herrlich! Wir werden immer wieder mit solchen sinnfreien Übersetzungen beglückt(?). Sehr schön war der Versuch in einem der aktuellen Parteiprogramme (ein Thema für sich) den aus der Computer-Welt bekannten Begriff „Open Source“ zu übersetzen. Tatsächlich wurde er als „offene Quelle“ übersetzt. In meiner Bürogemeinschaft sitzen bestimmt sechs Programmierer. Keiner, wirklich keiner von ihnen sagt „offene Quelle“! Wir Briten sagen schließlich auch nicht „children garden“ – Kindergarten ist eben viel besser…

  2. Oliver Günther Says:

    Eben. Aber „ein Produkt ausrollen“ ist wohl der hanebüchenste Unsinn den ich je gehört habe. Da kann man Matthäus, Öttinger und Konsorten schon fast als Sprachwissenschaftler betrachten. Und solche Leute sitzen in Chefetagen? Vergl.: „Ich arbeite in einem Irrenhaus“ // Martin Wehrle // Econ.

  3. Alexandra Says:

    Das ist keineswegs ein Einzelfall. Ausrollenhat sich in der IT-Brance längst als „Fachbegriff“ durchgesetzt. Sogar Microsoft benutzt es:

    http://www.microsoft.com/de-ch/licensing/kmu/ausrollen-managen/software-ausrollen.aspx

    „Open Source“ heißt auf Deutsch übrigens „quelloffene Software“. Manche reden auch von freier Software.

  4. Oliver Günther Says:

    Liebe Frau Alexandra,

    ja, das ist ja das Schlimme, kein Einzelfall. Ich spreche kein Englisch – also kein richtiges Englisch, nur Cocktail-Englisch. Für den Hausgebrauch reicht’s. Und genau deswegen versuche ich mich erst gar nicht an solchen Stümpereien. Beim Übersetzen passieren so viele Fehler, die selbst mir auffallen. Und dann versuchen sich hochbezahlte Dilettanten an „Eindeutschungen“ der fürchterlichsten Art. Microsoft jetzt auch noch. Und es setzt sich durch, wird gesellschaftsfähig.
    Also mir graust’s …

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