Zivilcourage

Neulich haben wir uns unterhalten, wie man das Wort „Zivilcourage“ auf Englisch sagt und kamen zu verschiedenen Schlüssen. Wenn man in Wikipedia die Definition von Zivilcourage nachschlägt, steht dort „Zivilcourage, wörtlich Bürgermut, setzt sich aus den beiden Wörtern zivil (lateinisch civilis, 1. bürgerlich – nicht militärisch, 2. anständig, annehmbar) und courage (französisch „Mut“) zusammen“. Die Vorschläge von den Online-Wörterbüchern reichen von „civil courage“, „courage of one’s convictions“ bis „courage to stand up for one’s beliefs“. Doch diese Begriffe treffen es nur halb. Nach meinem Verständnis wird Zivilcourage am häufigsten an einem öffentlichen Ort ausgeübt, wo echter Mut verlangt wird, so dass man sich selbst fast in Gefahr bringt. In der deutschen Sprache verwendet man, wie so oft einen Substantiv – Zivilcourage. Kumpel Martin hat mir einen neuen, lustigen Begriff beigebracht. In England redet man von „Have-a-go-Grannies„. Das sind tüchtige Rentnerinnen, die auf der Straße ein Verbrechen beobachten und furchtlos mit ihren Handtaschen zum Beispiel dazwischen gehen. Die Männer, die in Northhampton versucht haben, einen Jewelierladen auszurauben, hatten nicht mit dieser Dame und ihrer roten Handtasche gerechnet:

http://www.youtube.com/watch?v=Crw-CAGxVcE

Oder wir könnten hier sagen:

„She didn’t look away“

Oder

„She intervened“

In einem anderen Fall beweist sie Zivilcourage in dem sie einen eventuell schwächeren Freund unterstützt. Dann könnte man sagen:

„She stood up for him“

„To have the courage of your convictions/to stand up for one’s beliefs“ heißt eher „Du bleibst deinen Prinzipien treu“. „Civil courage“ habe ich selten gehört, wenn dann eher „ZiviC courage“.  Es gibt zum Beispiel die Joe A. Callaway Award for Civic Courage:

http://en.wikipedia.org/wiki/Joe_A._Callaway_Award_for_Civic_Courage

Diese Auszeichnung zollt Personen Anerkennung, die ohne Rücksicht auf das Risiko für sich öffentlich zu einem Thema Stellung nehmen, das im Interesse des Gemeinwohls ist und Gerechtigkeit ermutigt.

Mit anderen Worten: es kommt auf den Kontext an – wie immer.

Eine Antwort to “Zivilcourage”

  1. Max Headroom Says:

    Vielleicht ist die Beschränkung auf öffentliche Plätze zu einengend (Gott, nein, was für ein widersprüchliches Bild! ;-)).
    Jedenfalls: vielleicht haben wir hier einfach ein Bild, dass so wie der Verein eine typische deutsche Erfindung ist. Ich glaube, dass das deutsche Bürgertum mit seiner Entmachtung der Kaiser und des Adels (es gibt offiziell keine Adeligen mehr, das „von“ ist ein Namenszusatz) ein ordentliches Selbstbewußtsein hat. Von daher hätte ich die Formulierung „courage of one’s convictions“ schon als treffend angesehen – sie erinnert an den Aufstand von 1870/71 und später an die Gründung der ersten deutschen (aber unglücklichen) Republik, die als Konsequenz von verschiedenen Kriegen dem Adel sagte: so nicht weiter. Und dieser Aufstand gegen eine anscheinend unüberwindliche Machte eines Einzelnen (Herrschers) beschreibt die Zivilcourage. Oft genug heute ausgeübt mit Handtaschen älterer Damen.
    Es geht dabei aber nicht um den selbstlosen Mut des Lebensretters, sondern um den Aufstand gegen Missstände aus der eigenen tiefsten Überzeugung heraus und dem Unmut (!) über die herrschenden Verhältnisse.

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