Kleider machen Leute Teil I

In der Vergangenheit habe ich viel für die Modeindustrie übersetzt. In dieser Branche wimmelt es nur so von falschem Englisch, so dass ich selbst irgendwann den Unterschied nicht mehr erkennen konnte und in Teufelsküche gekommen bin. Ich habe Jahre gebraucht, bevor ich durchgestiegen bin. Lass uns mit Unterwäsche anfangen…

Ein Slip ist für uns Briten knickers oder pants und werden stets nur bei Frauen und in der Mehrzahl angewendet. Es gibt einen lustigen britischen Spruch:

„She’s really getting her knickers in a twist“

Was so viel heißt wie „sie regt sich total auf“.

Auf Englisch ist ein slip allerdings ein Unterrock. Eine Unterhose für Männer nennen wir Briten underpants oder die mit „Guckloch“ Y-fronts.

Die modernen Damenstrümpfe, die keine Strapse benötigen und von alleine nicht rutschen (sollten), nennt man in Deutschland Stay-ups. Wir können wiederum wenig mit diesem Begriff anfangen und nennen sie „Hold-ups„. Eine Strapse auf britischen Englisch heißt  suspenders. Amerikaner wiederum verstehen suspenders als Hosenträger, die wir Briten braces nennen.

Wenn wir Frauen in englischsprachigen Ländern schöne Unterwäsche suchen, gehen wir übrigens in die lingerie department eines Kaufhauses. Den Begriff Dessous kennen wir nicht. Profan und für jeden Tag sagen wir einfach underwear für Unterwäsche.

Kniestrümpfe nennen wir knee-high socks, aber nie stockings. Stockings brauchen immer eine Strapse oder einen Halter. Söckchen sind einfach ankle socks. Eine Strumpfhose ist in Großbritannien tights. Unsere amerikanische Verwandschaft sagt dazu pantyhose.

Alles klar? Ganz schön viel für einen Artikel. Daher teile ich meine Lektion in Punkto Kleider auf. Watch this space!

5 Antworten to “Kleider machen Leute Teil I”

  1. buurtaal Says:

    Ein super spannendes Thema! Freue mich schon auf Teil 2 …

  2. Tony Mellor-Stapelberg Says:

    Ich hätte nicht erwartet, Gelegenheit zu haben, mit Dir Unterwäsche zu besprechen…
    Es ist interessant, dass ein Slip, wie man anhand der Etikette feststellen kann, auf jeder anderen europäischen Sprache „slip‘ heißt, nur nicht auf Englisch. Ich bin etwas überrascht, dass Du als Alternative zu ‚knickers‘ ‚pants‘ angibst, ich hätte in der Damenabteilung eher ‚panties‘ erwartet. Ich bin aber da kein Experte. – Es gibt ja auch weitere interessante Damenwäscheteile, die Du nicht erwähnst. Anscheinend heißt ‚BH‘ auf Englisch nur noch ‚bra‘; der Langform ‚brassiere‘ (was übrigens auf Französisch nicht ‚BH‘ sondern ursprünglich ‚Armband‘, später ‚Leibchen‘ bedeutet(e)) kommt kaum noch vor. Sagt man mir.
    Ich habe lange bezweifelt, ob ein ‚Body‘ auf Englisch tatsächlich ‚body‘ heißt, das klingt eher wie eine typische Denglisch-Erfindung; aber anscheinend heißt er tatsächlich so.
    In der Männerabteilung, wo ich mich besser auskenne, sagten auch wir früher nur ‚pants‘ und fanden es komisch, dass die Amerikaner damit ‚Hose‘ meinten. Überhaupt, was Männerwäsche angeht: wir sagten immer „pants and vest“, was in Amerika „Hose und Weste“ (Br.E.: trousers and waistcoat) bedeutet. – Ich hatte einmal eine Klasse, die den Satz „Your life jacket is under your seat“ einfach nicht akzeptieren wollte. Das nächste Mal, das ich nach England flog, fragte ich, ob ich die Sicherheitskarte aus dem Flugzeug, auf der ‚life jacket‘ stand, mitnehmen dürfe und erklärte warum. Der Steward sagte: ‚But on intercontinental flights we do call it a life vest.‘
    Inzwischen scheint auch in England ‚underpants‘ eher gebräuchlich zu sein, aber nicht nur ‚Y-fronts‘ haben ein „Guckloch“ (?! – wo guckst Du immer?), oder wie die Verkäufer hier sagen, einen ‚Eingriff‘; der Begriff ‚Y-fronts‘ bezieht sich auf das Gesamt-Design…
    Wusstest Du übrigens, dass Hosenträger auch im britischen Englischen früher ’suspenders‘ hießen? Vgl. Rudyard Kipling’s ‚Just So Story‘, ‚How the Whale got its Throat‘:
    „So the Whale swam and swam to latitude Fifty North, longitude Forty West, as fast as he could swim, and on a raft, in the middle of the sea, with nothing to wear except a pair of blue canvas breeches, a pair of suspenders (you must particularly remember the suspenders, Best Beloved), and a jack-knife, he found one single, solitary shipwrecked Mariner, trailing his toes in the water. (He had his mummy’s leave to paddle, or else he would never have done it, because he was a man of infinite-resource-and-sagacity.)“
    Scöne Grüße an alle Leser, Tony

  3. Sally Massmann Says:

    Ich glaube ich bin zu jung (und ich bin eigentlich relativ alt!), um bras brassieres zu nennen (soutien-gorges auf Französisch übrigens) und panties habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gehört. Sogar die gute alte Marks & Spencers nennt die Dinge jetzt knickers. Der Begriff Knickers ist einfach salonfähig geworden! Sogar meine Ma tut es.

    Der wunderbare Rudyard Kipling nannte Hosenträger „suspenders“? Das ist interessant. Der Dichter des wunderbaren „If“ Gedichtes hätte sich nicht mit so was profanen wie braces abgegeben.

    Danke für diese sehr unterhaltsamen Kommentare!

  4. Anja Huebel Says:

    Hi Sally, doesn’t M&S call undies „briefs“?

    • Sally Massmann Says:

      I was recently in M&S – I recall that they call the comfortable sort of undies briefs and the slightly more with-it ones knickers! Knickers used to be a bit of a naughty word, but is now pretty much accepted.

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