Sh**storm ist auf Englisch ein Bisschen Sch**ße

Heute widmen wir uns einem Thema, das etwas delikat ist. Es geht nämlich um Schimpfwörter und wieder unser geliebtes Thema Englisch, das gar keins ist. Fangen wir mit dem ersten Punkt an. Mein völlig subjektives Gefühl sagt mir, dass während der letzten 20 Jahre das Wort Sch**ße auf Deutsch quasi salonfähig geworden ist. Man müsste nicht lange zappen, bevor man irgendwen im Fernsehen hört, der diesen Kraftausdruck in den Mund legt. Und das noch weit vor 21 Uhr. Das gilt nicht für die englische Entsprechung.  Shit auf Englisch ist und bleibt erstmal ein Wort, das im öffentlichen Leben lieber gemieden wird. Natürlich sagen wir es, aber es ist längst nicht so harmlos wie sein deutscher Zeitgenosse.

In letzter Zeit stoße ich und andere Leser auf ein denglisches Wort, das immer mehr Einzug in die deutsche Sprache erhält: shitstorm. Wie so oft bei diesen vermeintlich “englischen” Begriffen, musste ich erstmal nachschlagen, was dieses Wort überhaupt bedeutet. Duden gibt die folgende Definition:

“Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht”.

Ich habe alle möglichen englischen und amerikanischen Bekannten gefragt. Nicht einer kennt diesen Ausdruck. Alle sagen, dass er im Englischen höchst vulgär klingt und man ihn niemals in einer ernstzunehmenden Sendung oder Zeitung finden würde. Gestern habe ich ihn leider sogar in der FAZ Online gelesen:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzpolitik-die-furcht-vor-dem-shitstorm-11796826.html?selectedTab=comments&tabCounter=2&showMarginalSlot=1&commentsCount=0

Und vor einigen Wochen kam er auch in der Sendung “Hart aber fair” vor. Aber das sind beileibe nicht die einzigen Beispiele.

Fazit: cool ist, wer deren Anwendung vor englischsprachigen Geschäftspartnern/Politikern/Bekannten meidet, denn shitstorm auf Englisch ist einfach ein Bisschen Sch**ße…

12 Antworten to “Sh**storm ist auf Englisch ein Bisschen Sch**ße”

  1. Max Headroom Says:

    Ich glaube, dass im zivilisierten Deutsch diese Fäkalsprache auch nichts zu suchen hat – nur seit Tic Tac Toe mit “ich find’ dich …”, der DIskussion über andere Ausprägungen der deutschen Sprache wie Kiez-Deutsch, scheint es etwas lockerer zuzugehen.
    Es fasziniert mich allerdings das Bemühen, die lebende Sprache Englisch in engere Bahnen zu lenken. So wie einige Deutsche einen aussichtslosen Kampf gegen das Einwandern fremdsprachiger Wörter führen oder einer wie Bastian Sick seinen Lebensunterhalt mit dem Hinweisen auf Verletzungen grammatischer Regeln verdient, so sehr ist den Engländern die Weiterentwicklung der lingua franca des Internets aus der Hand genommen.
    Und so wird die Verwendung dieser Neologismen wieder eine Frage der korrekten Registerwahl: beim Fachsimpeln über Net-Speak ist sh**tstrom ok, im angemessenen Wortwechsel im Niveau der englischen Sprache eben nicht.
    Aber vielleicht hat da jeder seine eigenen Empfindlichkeiten. Mich wundert doch immer wieder der mir deutlich häufiger vorkommende EInsatz von f**k im Englischen. Ich habe den Eindruck, dass wir dafür dann lieber Sch*** verwenden: “get your f**king car out of the way” würde deutsch eher “Beweg dein Sch***-Auto aus dem Weg” sein.
    Bleibt nur noch der alte Witz über den Deutschen im englischen Steak-Restaurant zu zitieren: Deutscher :”Waiter, I become a bloody steak”. Waiter “Ok, and would you like some f**king potatoes with it?”
    Ich hoffe, ich komme aus den Niederungen der Sprache wieder hoch, Verdammt nochmal!

  2. Max Headroom Says:

    Gerade diese Woche war im “Spiegel”,ein Interview mit einem Sprachwissenschaftler der anscheinend die unterschiedlichen Themen der Flüche in den jeweiligen Ländern untersucht hat – und wirklich: während fast ganz Europa genital flucht, verwenden die Deutschen vorzugsweise fäkale Begriffe.
    Entgegen der küchenpsychologischen Deutung, dass die Deutschen in der analen Phase steckengeblieben sein sollen, erklärt der Wissenschaftler es damit, dass a) diese Orientierung schon weit ins Mittelalter reicht und für die Deutschen nicht immer ganz klar ist, ob ein sexueller Fluch wirklich beleidigend ist, während das bei Abfällen immer klar ist (siehe auch “sich abfällig äußern”).
    Problematisch werden diese “Geschmacksunterschiede” eben dann, wenn sie 1:1 in andere Sprachen übertragen werden.
    Selbst in der Unkultur gibt es kulturelle Unterschiede.

    • Sally Massmann Says:

      Ja – scheint wirklich so zu sein. Und übrigens: diese Woche habe ich tatsächlich das Wort aus dem Mund eines Engländers gehört. Meine Familie und ich gucken gerade eine sehr spannende Serie über einen englischen Polizisten namens Luther. Ich glaube die Serie kommt im Januar 2013 nach Deutschland. In einer ziemlich drögen deutschen TV-Landschaft, dürfte diese Serie ein erfrischendes Highlight sein. Sie ist allerdings gewalttätig und nur für Erwachsene geeignet. Jedenfalls hat tatsächlich eine Polizistin dieses Unwort Shitstorm erötert. Es passt allerdings zur Serie, die ohnehin nicht gerade zimperlich mit der Sprache umgeht und an Spannung kaum zu überbieten ist…

  3. Max Headroom Says:

    Man soll es nicht glauben: heute (31.8.2012) war das Wort des Tages bei “One word a day” (www.owad.de) “Shitstorm” – hier das Rätsel für die Englischlernenden:
    Dies ist das Wort von heute: shitstorm

    Wählen Sie a, b oder c aus. Welche Definition ist korrekt?

    a) an emotional discussion involving very bad language

    b) a hurricane force wind which causes severe damage to property

    c) a hacker attack which has the intention of shutting down a website

  4. Overset Type Says:

    Shitstorm ist ein Amerikanismus vom feinsten. Siehe http://knowyourmeme.com/memes/shitstorm und http://www.urbandictionary.com/define.php?term=shitstorm
    Schöner noch ist Clusterfuck, aber das kennen nur die wenigsten und soweit ich weiß gar keiner in Deutschland.

  5. Max Headroom Says:

    Der oben genannte Artikel mit dem Interview des Linguisten zum Unterschied in der Fäkalsprache ist jetzt auf Spiegel online zu lesen:
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/fluchen-in-europa-sprachforscher-erklaert-vulgaersprache-a-857211.html

    • Sally Massmann Says:

      Sehr interessant! Nein, wir Briten würden nie sagen “To say it in English”, wenn uns etwas Verruchtes über die Lippen käme. Wir sind besonders frech und sagen “Pardon my French“!

  6. Andrew Says:

    Shitstorm is nothing new in English. It has been around for years as a consequence of cultural importation through the American media. As a native British English speaker, I wouldn’t use the term myself, but would be fully aware of what it means and exactly in which context it would be used. In fact, it is relatively easy to deduce its meaning if a non-native speaker has a good command of colloquial English. If you think words like shitstorm are hard, where would you start with words like “yonks”.

    • Sally Massmann Says:

      Like many words you’ve not heard of before, you then hear them often. It does seem to be more of americanism, but I also recently heard it in a gritty British drama series.

  7. Andrew Says:

    Whilst I am on my soapbox…I actually forgot to add this bit. Many German colleagues and friends seem to think the use of the word “f**k” is socially acceptable in conversational English (informal). Whenever I drew their attention to the fact that it is actually not socially acceptable to pepper your spoken language with this they were genuinely surprised. I found myself a bit disturbed at having to explain why this was the case. I am 42 years old, so it is not like I come from another era or something. Possible reasons for this seem to point at recent developments in comedy/stand up shows and so on. One particular example comes to mind, Lee Evans, I remember his earlier shows containing the odd expletive, but in a more recent show it seemed to populate every sentence. I know a lot of foreign learners enjoy films/series and comedy as a means of “learning real English”, however, it does seem that (as is often the case with translation) the context and social norms/constraints are very lacking.

    I acknowledge that there are regional and social differences. But, that said, overall it will get you funny looks and/or comments or worse. And as we all know, language is dynamic and fluid, however, I don’t have to like or agree with many of the recent trends or developments. One of my personal pet hates is “my bad” which really makes my blood boil.

    • Sally Massmann Says:

      You have my permission to get on your soapbox! I totally agree. Now I have been around the block a few times, so could be accused of coming from another era, but friends and family who are much younger also agree that it’s not socially acceptable in most situations. German does not have the same range of swear words and therefore people tend to equate the “F” word with the German “S” word. This is a misconception. It is much worse and you are likely to end up with egg on your face if you use it inappropriately. I had never heard of “my bad” and had to look it up. For those who are interested see this wikipedia article:

      It sounds absolutely daft in my opinion!

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